Ein Frühlingstag im Jahre 1988 im Bahnhof Badel. Hier zweigt von der Strecke Hohenwulsch - Beetzendorf ein Streckenast nach Salzwedel ab, der aber bereits schon seit Jahren stillgelegt ist. Der Bahnsteig ist, wie es typisch bei vielen Trennungsbahnhöfen der altmärkischen Kleinbahnen war, keilförmig zwischen den verzweigenden Strecken gelegen. Auf der Strecke nach Salzwedel sind gedeckte Güterwagen (vor allem Gbs) abgestellt, zwischen den Gleisen wachsen bereits armdicke Birken. Es ist Samstagmittag. An der Ladestraße stehen drei O-Wagen, ein ”Weimarlader” tuckert, Betonteile werden entladen. 

Plötzlich tritt eine “Schützenkette” Sowjetsoldaten im Bereich der Viehrampe aus dem Wald und überquert die Gleise in Richtung Ladestraße. Die zwischen den Gleisen scharrenden Hühner stoben auseinander. Die “Freunde” machen sich an einem an der Ladestraße stehenden Wagen zu schaffen. Sicherheitshalber schnell den Fotoapparat verstaut, denn wer weiß. Aber so schnell wie der Trupp gekommen ist, verschwindet er wieder, dunkel blieb ihr Tun. 

Inzwischen haben sich aber zwei Personen auf dem Bahnsteig eingefunden, offenbar potenzielle Reisende. Aber da nähert sich bereits aus Richtung Kalbe/Milde eine ”Ferkeltaxe” (LVT der Baureihe 171, jetzt 771) mit Beiwagen und hält am Bahnsteig in Richtung Beetzendorf. Wenige Fahrgäste steigen aus. Doch da setzt sich die Fuhre wieder rückwärts in Bewegung, drückt über die DKW auf das Streckengleis. Die DKW wird aufgeschlossen, umgestellt, der Zug zieht nun auf die Bahnsteigseite in Richtung Salzwedel vor und bleibt dort stehen. 

Die DKW wird wieder in Grundstellung gebracht. Der Blick geht nun gespannt in Richtung der Beetzendorfer Strecke und da taucht schon der Gegenzug, ebenfalls eine “€žFerkeltaxe”, aus dem Wald auf und kommt gemächlich auf seinem in Kies gebetteten Gleis übers Feld geschaukelt. Halt an der Trapeztafel, Achtungssignal. Als Antwort das Kommen-Signal des im Bahnhof stehenden Zuges, der Wagen setzt sich wieder in Bewegung, um am Bahnsteig zum Stehen zu kommen. Auch hier steigen nur wenige Fahrgäste aus. Nun folgt ein Plausch zwischen den Zugpersonalen, aber der Fahrplan drängt. Ein Blick auf die Uhr, man steigt ein und Abfahrt. 

Die Zugführerin des ersten Triebwagens stellt die DKW wieder auf Abzweig, dieser drückt zurück, Umstellen und Verschließen der Weiche, Vorziehen an den Bahnsteig, kurzer Halt, die Zugführerin stellt sich in Positur, Abfahrsignal und ab geht`s in Richtung Beetzendorf. Minuten später ist alles vorbei und die Hühner haben ihr Reich zwischen den Gleisen wieder eingenommen.

 

 

Episode

Bahn2