Als wir 2007 in der Altmark nach Brückenvorbildern Ausschau  hielten, fuhren wir auch nach Groß Rossau zur dortigen Biesebrücke. Wir entschieden uns, erst das Betonbauwerk bei Gladigau zu bauen. Dieses Bauwerk hat seine besondere Geschichte durch den Einsturz am 9. März 1940. Wir hielten uns die Option offen, die Groß Rossauer Brücke zu einem späteren Zeitpunkt in die Anlage einzufügen.

Jetzt war es soweit. Im Frühjahr 2010 beschlossen wir, die Verbindung zwischen Klein Rossau und Stapel neu zu gestalten. Nicht nur der viel zu enge Gleisbogen sollte aufgeweitet werden. Durch den Bau eines weiteren Fünfecks zwischen beiden Betriebsstellen gewannen wir den Platz, um besagte Brücke über diesen Teil der Biese zu schlagen. Vorbildfotos waren im Fundus des Vereins vorhanden, bereits 2007 hatten wir das Bauwerk vermessen. Das war möglich, weil nach Einstellung des Zugbetriebs am 28. September 1974 die Brücke nicht abgebaut wurde. Sie dient heute einem Radweg als Flussüberquerung.

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Etwa 1980 fanden Spurensucher die Reste der Biesebrücke in jämmerlichem Zustand.

Mit aufgesetztem Geländer zum Schutz der Passanten präsentiert sich die Brücke im Jahr 2011

Wie baut man eine stählerne Brücke nun nach? Ähnliche Modelle beliebiger Hersteller kamen nicht in Frage. Nur ein Eigenbau würde unserem Anspruch auf Vorbildtreue entsprechen.  Ich entschied mich für einen Nachbau in Kunststoffbauweise. Ich will mich nicht in Einzelheitern verlieren, einige Fotos sollen für sich sprechen. Auch bei dieser Bauweise ist Genauigkeit oberstes Gebot, schließlich sollen alle Teile genau zu einander passen. Die Brücke überquert den Fluss in einem Winkel von etwa 85 Grad. Auch diesen Fakt war zu beachten. Das Vorbild ist genietet, demzufolge mussten auch die Verstärkungsbleche auf den Längsträgern erscheinen. Die Nachbildung der Nieten erschien unmöglich. Verschiedene Verfahren sind von mir ausprobiert worden. Das Eindrücken von Dellen mittels Schneiderrädchen in dünnstes Kupferblech erwies sich als völlig untauglich. Schließlich fand ich im Internet einen Anbieter von Decals, der auch Nietenimitationen vertreibt. Von dort bekam ich passende Nietenreihen, die für meine Zecke geeignet waren. Das Aufbringen der Decals nur an den sichtbaren Stellen der Brücke war schon eine Pusselarbeit. Sie hat sich gelohnt, wie auf den Fotos zu erkennen ist.

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Evergreen-Teile in 0,5 bis 1,5 mm Materialstärke bildeten die Grundlage für die Einzelteile der Konstruktion

In der Draufsicht ist gut der unrechte Winkel des Trägerwerkes zu erkennen.

Die Brücke ruht auf zwei gleichen Widerlagern aus Stampfbeton. Für die Nachbildung schnitt ich aus Balsaholz zwei Stücke als Modell. Hier passte ich die inzwischen rohbaufertige Brücke ein. Die Farbgebung des Brückenkörpers überließ ich unserem Freund Ulf, der es in der Airbrush-Technik zur Meisterschaft gebracht hat. Die Pfeiler sind mit Faber Granitfarbe gestrichen und anschließend mit Acrylfarbe getönt worden.

Die Strecke zwischen den erwähnten Betriebsstellen wurde neu trassiert. Ich baute mir eine Brückenschablone in den Maßen meines Modells, um nach der Trassierung sowohl die Widerlager als auch die Brücke genau einpassen zu können. Zum anderen ging ich dabei sicher, das empfindliche Modell nicht zu beschädigen. Diese Methode kann ich allen Brückenbauern nur empfehlen.

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Bei der Brückenschablone kam es nur auf Genauigkeit an.

Wieder im Rohbau: Flussbett, neue Trasse und Brückenschablone. Auf die Trassenbretter werden noch Gleisbettungskörper aufgebracht.

Die Brücke ist auf den Widerlagern nicht befestigt. Sie wird durch die Gleisbefestigung in ihrer Lage gehalten und ist unverrückbar. Für den Fall, dass einmal die Gleise gewechselt werden müssen, sind am Kopfende eines Widerlagers Röhrchen eingelassen. Diese reichen durch Trasse, Damm und Anlagengrundplatte und nehmen die Drähte für die Fahrstromversorgung auf. So sind diese leicht heraus zu ziehen und die Trasse bleibt unbeschädigt.

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Die Brücke ist eingepasst, am linken Widerlager befinden sich die Drähte für die Fahrstromversorgung.

Erste Stellprobe.  Das Flussbett ist farblich bereits vorbereitet.

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Das Bauwerk in seiner Umgebung. Die Landschafts- gestaltung ist hier noch nicht abgeschlossen.

So präsentiert sich das neue Bauwerk aus der Vogelperspektive.

Nun ist alle Arbeit getan, das neue Anlagenteil ist fertig gestaltet. Die Brücke zwischen Klein Rossau und Stapel hat gemeinsam mit weiteren schönen Details unsere Anlage aufgewertet. Der Modellbahner, welcher die diesjährige modell hobby spiel in Leipzig besuchte, konnte bereits unsere Neuheiten begutachten. Die nächsten Möglichkeiten werden die Modellbahn-Ausstellung im Berliner Postbahnhof sowie unser Tag der offenen Tür im November sein.

Text: H.-J. Ewald
Fotos: Verfasser, Sammlung Verein

 

 

 

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