Trigonomische Punkte auf unserer Anlage

Unsere Maxime ist es, die Vereinsanlage so nah wie möglich am Vorbild zu orientieren. Dazu zählt natürlich eine detaillierte Gestaltung nicht nur der Bahnhöfe, sondern der gesamten Landschaft. Was entlang der Strecken zwischen den Modellbahnhöfen zu sehen ist, ist auch bei unserem Vorbild in der Altmark vorhanden oder vorhanden gewesen.
Sei es ein Großsteingrab (in der Altmark gab es mehrere davon), eine verrottete Windmühle wie bei Arendsee oder ein Windbruch.

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Solche typischen landschaftlichen Besonderheiten gehören zu unserer Anlage. Dabei sind wir bestrebt, jedes Detail nur einmal in die Landschaftsgestaltung einzubringen. Das Auge soll sich nicht langweilen. Das bringt für uns immer wieder neue Herausforderungen. Oft hilft der Zufall bei der Auswahl der Objekte, die zum Modell werden.

Bei einem Ausflug in das Oderbruch entdeckte ich einen trigonometrischen Punkt, markiert durch einen Dreibock. Diese Dreiböcke, auch Signale 4. Ordnung genannt, standen früher überall in der Landschaft, auch in der Altmark. Sie konnten nicht übersehen werden, mit vier Metern Höhe waren sie recht markant. Diese Entdeckung gab den Ausschlag - solche Signale gehören auf unsere Modellbahn-Anlage! Nach dem Fotografieren und Vermessen dieses Dreibocks war der Nachbau eine einfache Sache. Es wurden gleich mehrere hergestellt. Die vorbildliche Entfernung dieser Punkte untereinander zwischen 600 und 3000 Meter rechtfertigt natürlich das Aufstellen mehrere solcher Modelle. Hier wichen wir bewußt vom oben gesagten ab. Bei der Ausdehnung unserer Anlage ist das kein Problem. Vier Stück stehen bis jetzt in unserer Modelllandschaft, teils sichtbar, manchmal versteckt im Wald.  Wie beim Vorbild eben.

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Original an einer Straße bei Hohensaaten

- und an einer Landstraße nahe Letschin

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Einer der vier Dreiböcke, die bisher auf unserer Anlage vorhanden sind. So ein Standort im Wald oder am Waldrand war durchaus üblich.

 

Maßskizze als Vorlage zum Nachbau eines Dreibocks

Die Krönung dieses Vorhabens war dann die Anfertigung eines Vierbocks, welches ein Signal der 1. Ordnung darstellt. Beim Vorbild wurde die Entfernung dieser Signale untereinander zwischen 45 und 70 Kilometern angegeben. Also kam nur einer für die Anlage in Betracht. Mit der engagierten Unterstützung unseres Freundes Frank ist es gelungen, Material über ein Vorbildbauwerk zu erlangen. Das war umso wichtiger, da Vorbilder nicht mehr existieren. Das letzte Bauwerk dieser Art in Brandenburg wurde im Sommer 2004 gesprengt.

Der Nachbau war nicht so einfach wie bei den Dreiböcken. Geübte Modellbauer können sich getrost an den Nachbau heranwagen. Wie bei den Dreiböcken werden Rundstäbe verwendet. Eine Seite des Holzgerüstes wird, wenn nötig, in Etappen zusammengeklebt. Zu beachten ist, dass die Pfeiler genannten Eckstangen niemals aus einem Stück bestehen. Drei Stangen pro Pfeiler sollten es schon sein. Wichtig ist auch, dass die Pfeiler um 45 Grad nach innen gedreht sind. Wenn die zweite Seite fertig ist, werden beide Teile in gleicher Weise verbunden. Die Verbindung erfolgt mit Kreuzen und Schwertern genannten Stangen. Es entsteht ein verwindungssteifes Holzgerüst. Jetzt kommen Podeste, Leitern zum Besteigen und Geländer dran. Oben angekommen, müssen der Nivelliertisch, die Pyramide und das Peilsignal aufgesetzt werden. Das Peilsignal ist stärker als die Peilspitze und weiß/schwarz angestrichen. Ist das Modell fertig, färbt man das Holz nach Geschmack. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Signale jahrzehntelang Wind und Wetter ausgesetzt waren. Eine frische Holzfarbe ist darum unangebracht.

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Dieses Foto diente als Vorlage für den Bau des Modells unseres Signals 1. Ordnung. Von hier wurden auch alle Maße für das Modell abgenommen.

Das Modell ist fertig und muss nur noch gealtert werden. Die Filigranität des hölzernen Bauwerkes ist gut zu erkennen.

Was wird an Material gebraucht?

Für die Dreiböcke im Maßstab 1:87 Rundstäbe nicht stärker als 1,5 Millimeter, für kleinere Maßstäbe sollten die Hölzer nicht stärker als ein Millimeter sein. Für das Peilkreuz schneidet sich der Bastler zweckmäßigerweise Kleinstleisten aus Lindenholz. Die Vierböcke vertragen bis in die Höhe des Nivelliertisches Rundstäbe von zwei Millimetern Durchmesser. Weiter oben verjüngen sich dann die Stärken der Hölzer, bis man die Peilspitze und Pyramide aus Hölzern von einem Millimeter herstellt. Geklebt wird natürlich mit Holzleim.

Die beigestellten Fotos zeigen Vorbild und Modell. Wer Fragen hat, kann sie an den Erbauer der Modelle unter h-j.ewald@gmx.de richten. Die Veröffentlichung zu diesem Thema MIBA-Heft 05/08 vertieft das Thema, dort kann dann mehr nachgelesen werden.

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Unser Signal erster Ordnung wurde erstmals auf der Modellbahnausstellung im Berliner Postbahnhof der Öffentlichkeit gezeigt. Das Interesse war geteilt, viele der Besucher kannten diese Bauwerke nicht. Entsprechende Fragen wurden natürlich hinreichend beantwortet. Es gab aber auch Leute, die sagten, dass sie als Kinder darauf herum geklettert sind. So verschieden kann die Wahrnehmung der Umwelt sein. Wir als Verein haben mit dem Modell des Signals 1. Ordnung und der Dreiböcke der Technikgeschichte ein kleines Andenken bewahrt.
So passt bei uns alles gut zusammen.

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An dieser Stelle will ich mich im Namen unseres Vereins nochmals bedanken bei dem Mitarbeiter der Landesvermessung und Geoinformation Brandenburg, welcher uns bei der Beschaffung von Fotos und Unterlagen hilfreich unterstützte.
Das Internet bietet weiterführend viele Informationen zum Thema. Trigonometrische Punkte oder Triangulation wären zwei der Stichwörter zum Aufrufen.

Verfasser und Modellbauer: H.-J. Ewald
Fotos: Sammlung Verein, LGB, Paech, Ewald und Scheiter

 

 

Trigonom. Punkte

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