Zwischen Diesdorf und Abbendorf überquert die Strecke der ehemaligen „Altmärkischen Eisenbahn AG“ von Wittitngen nach Bismark den Molmker Bach. An dieser Stelle bestand für die Dampflokomotiven die Möglichkeit zur Ergänzung der Wasservorräte mittels Pulsometer. Dazu notwendig war ein Brunnen oder ein fließendes Gewässer, aus dem das Wasser entnommen wurde. Der Brunnenschacht  an der Brücke über den Momker Bach bestand aus Betonfertigteilen und war mit einem Deckel gesichert.

Molmker Bach 1975

Das älteste bekannte Foto von 1975 zeigt das Steigrohr neben der noch  vorhandenen Bachbrücke.

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1978 war die Brücke bereits entfernt, Max brauchte Schrott.

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Die Baustelle für  unser Brückenmodell

Fertig und zum Einsatz bereit

Zu Pulsometer und dessen Wirkung steht in der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens von 1923: Bei Nebenbahnen kommt  zuweilen für das Pumpen des Wassers aus tiefer gelegenen Brunnen oder Teichen die Verwendung von Pulsometern, die durch den Dampf von Lokomotiven in Tätigkeit gesetzt werden, zur Anwendung.

Ein Pulsometer ist eine Dampfdruckpumpe, die ohne Kolben arbeitet. Es besteht aus zwei nebeneinanderliegenden mit Wasser gefüllten Kammern, in die der durch Klappen selbstätig gesteuerte Dampf abwechselnd eintritt. Dabei wird der Inhalt durch das Druckventil ausgeschoben. Durch Mischung mit dem Wasser in der Kammer  und zusätzlich eingespritztes Wasser  kondensiert der Dampf und es entsteht  ein Unterdruck in der Kammer, in die infolgedessen durch das Saugventil neues Wasser strömt. Es sind Saughöhen bis zu acht Metern und Druckhöhen bis zu 50 Meter möglich  (Brockhaus 1933).

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Ob jeder Zug an der Wasserentnahmestelle halten musste, ist nicht bekannt. Laut Kursbuch der Deutschen Reichsbahn Sommer 1968 benötigten Personenzüge für die 3,3 Kilometer Strecke zwischen Abbendorf und Diesdorf acht Minuten, Güterzüge jedoch 15 Minuten. Auch unsere Modellbahnzüge legen nicht immer eine Pause ein.

Das Pulsometer befand sich an der Dampflokomotive in der Regel auf der Heizerseite. Auf dem Bild 1 in unserem Beitrag „Fahrzeugeinsatz“ sind die Dampfleitung, das Pulsometer und die Saugleitung gut zu erkennen. Das auf der Pufferbohle waagerecht liegende Rohr machte den Anschluß des Saugrohres an den Brunnen, der links oder rechts der Strecke liegen konnte, wechselseitig möglich.

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Nahe der Saugstelle befand sich dieser Feldwegübergang

…der auch noch 2008 erkennbar war und eine herrliche Modellvorlage abgibt

Bei  der Saugstelle am Molmker Bach ist nicht geklärt, weshalb etwa 2,5 Kilometer vom Bahnhof Diesdorf entfernt diese Möglichkeit des Wassernehmens eingerichtet wurde. Ebenso ungeklärt ist die Tatsache, wann und warum der ursprünglich die Bahnstrecke unterquerende Bach zugeschüttet wurde. Die Brücke blieb dennoch erhalten und wurde erst nach der Betriebseinstellung ausgebaut. Ein Rest des Saugrohrs und der Brunnen befinden sich noch immer unmittelbar neben dem östlichen Widerlager. Heute fließt der Molmker Bach etwa zweihundert Meter weiter östlich Richtung Abbendorf. Diese Querung erforderte ebenfalls ein stabiles Brückenbauwerk.

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Siehe auch Modelleisenbahner 12/1978, Seite 360:
Wolfgang LIst: Wasserkräne - Saugrohre - Tiefbrunnen

Molmker Bach

Bahn2